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INHALT


Im Frankreich der 1970er Jahre zieht die 23-jährige Delphine (Izïa Higelin) vom Bauernhof ihrer Eltern nach Paris, um Engstirnigkeit und ländlichen Moralvorstellungen zu entkommen. Dort lernt sie die extrovertierte Carole (Cécile de France) kennen, mit der sie sich gemeinsam in der Frauenrechtsbewegung engagiert und sich sogleich unsterblich in sie verliebt. Es dauert nicht lange, bis auch Carole, die noch nie mit einer Frau zusammen war, ihre Gefühle für Delphine entdeckt. Ihre stürmische Affäre wird jäh unterbrochen, als Delphines Vater (Jean-Henri Compère) schwer erkrankt und sie aufs Land zurückkehren muss, um ihrer Mutter (Noémie Lvovsky) bei der Arbeit auf dem elterlichen Bauernhof zu helfen. Von Sehnsucht getrieben, beschließt Carole ihren langjährigen Freund zu verlassen und Delphine zu folgen. Für die beiden Frauen beginnt ein Sommer voller leidenschaftlicher und glücklicher Momente. Als das idyllische Landleben jedoch erste Schattenseiten zeigt, muss Delphine schon bald entscheiden, wie offen sie zu ihrer Liebe stehen kann.

Feinfühlig, sinnlich und bewegend erzählt Regisseurin Catherine Corsini (DIE AFFÄRE) die Liebesgeschichte zweier gegensätzlicher Frauen zwischen Leidenschaft und gesellschaftlicher Erwartungshaltung. Cécile de France (DER JUNGE MIT DEM FAHRRAD) als extrovertierte, freiheitsliebende Städterin und Izïa Higelin (HEUTE BIN ICH SAMBA) als Mädchen vom Land, das versucht den Konventionen zu trotzen, sind das pulsierende Herz des Films. Während die beiden durch ihr eindringliches, mitreißendes Spiel begeistern, fängt Corsini in wunderschön komponierten Bildern die Aufbruchsstimmung und den Geist der 70er Jahre ein. LA BELLE SAISON ist eine inspirierende Ode an die Freiheit, das Leben und die Liebe. Für ihre Darbietung wurde Cécile de France unlängst für den César in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin nominiert.

INTERVIEW

MIT REGISSEURIN CATHERINE CORSINI


Worin bestand für Sie der Reiz, die Handlung von La Belle Saison in die 70er Jahre zu verlegen?

Ich verspürte das Bedürfnis, den damaligen Feministinnen, die oft verunglimpft oder als sexuell frustrierte Emanzen beschimpft wurden, meinen Respekt zu zollen. Ich selbst war zwar über viele Jahre hinweg keine sonderlich engagierte Feministin, ja ich tendierte sogar dazu, mir die Vorurteile, die man ihnen gegenüber hegte, selbst zu eigen zu machen. Dann aber begriff ich, dass ein Großteil der Errungenschaften, die für mein heutiges Leben ganz selbstverständlich sind, eben diesen Frauen zu verdanken sind, die sich damals engagiert und wirklich gekämpft haben. Viele von ihnen waren Lesbierinnen, denen sich dank der Frauenbewegung endlich die Chance bot, ihre Stimme zu erheben. Es ist eine Tatsache, dass gerade die Lesben viel für die Emanzipation der Frau im Allgemeinen geleistet haben.

Die Vitalität und die Lust zu provozieren, von der die Frauenbewegung geprägt war, fand ich sehr faszinierend. Ich sehe heute nirgendwo etwas Vergleichbares. Ich hatte begriffen, dass beim Feminismus das Menschliche im Mittelpunkt stand – und dies war denn auch der Kerngedanke, von dem ich mich bei der Arbeit am Skript habe leiten lassen.


Und wie haben Sie das Problem des Szenenbilds bewältigt? Der Film taucht ja in eine vergangene Zeit ein, nirgends aber wirken die Kulissen so, als wären sie aus Pappmaché…

Zusammen mit Jeanne Lapoirie, der Kamerafrau, und Anna Falguières, die für die Ausstattung zuständig war, haben wir sehr genau auf die Stimmigkeit des Szenenbilds geachtet. Dabei haben wir uns immer für das Einfachste entschieden und Dinge, die in der damaligen Zeit modern waren, mit noch älteren Sachen vermengt. Wir haben aber viel Wert darauf gelegt, dass etwa ein Auto, das gerade vorbeifährt, nicht allzu sehr in den Vordergrund gerät, nicht allzu aufdringlich als Museumsstück aus der Vergangenheit daherkommt. Gleiches galt für Details wie das Käppi eines Bauern oder für die Art, wie die jungen Frauen gekleidet sind. Natürlich musste das Dekor der historischen Realität angemessen sein, gleichzeitig sollte aber eine gewisse Neutralität gewahrt bleiben. Daher war es besser, allzu viele Schlaghosen oder blumige Gewänder zu vermeiden. Gott sei Dank wird in den Straßenszenen ja ziemlich viel gerannt – dadurch wird man nicht ganz so sehr dazu verleitet, seine Aufmerksamkeit primär auf die Kuriositäten einer vergangenen Zeit zu richten. Im Übrigen finde ich, dass man bei Filmen, die in einer bestimmten Epoche spielen, oft den Fehler begeht, alles im Stil der damaligen Zeit zu dekorieren. Als hätte es in den 70er Jahren nicht auch jede Menge Leute gegeben, die sich noch wie in den 50er Jahren kleideten und bei denen die Tapeten an der Wand noch älter waren!

Ich war sehr darauf bedacht, keine exakte Rekonstruktion der feministischen Rebellion anzustreben. Folglich habe ich mir einige Freiheiten erlaubt, auch wenn die im Film gezeigten Aktionen mehr oder weniger das widerspiegeln, was damals wirklich geschah. Einige der Aktionen habe ich aufgegriffen, so etwa in der Szene, wo Professor Chambard mit einer Kalbslunge beworfen wird. Auf andere, die man sich wohl erwartet hätte – etwa die Aktion am Triumphbogen –, habe ich hingegen verzichtet. Mir kam es nämlich in erster Linie darauf an, die Vitalität dieser Phase eines historischen Umbruchs im Film heraufzubeschwören. Dies erklärt auch meinen Wunsch, eine Aktion des FHAR ("Front homosexuel d'action révolutionnaire"), bei der ein junger Mann aus einer psychiatrischen Anstalt in Italien befreit wird, den rein feministischen Aktionen beizumischen.


Der historische Stoff ist aufs engste mit der intimen Beziehung verwoben, die sich zwischen Delphine und Carole abspielt…

Wie Geschichte und Intimleben zusammenbringen? Diese Frage stand im Mittelpunkt unserer Diskussionen beim Schreiben des Drehbuchs. Wie kann man sich einerseits politisch engagieren und mutig für andere einsetzen, wenn man andererseits so viel Mühe hat, im eigenen Privatleben "seine Sache" zu vertreten? Dieser Widerspruch hat mich tief berührt: Delphine fühlt sich gehemmt, soweit es ihre Intimsphäre betrifft, gleichzeitig hat sie aber den Mut, einen Schwulen aus der geschlossenen Psychiatrie zu befreien und einen Arzt, der sich als Abtreibungsgegner stark macht, mit einer Kalbslunge zu bewerfen!


Wie verlief das Casting?

Was Cécile de France betrifft, so habe ich das Drehbuch quasi für sie geschrieben: Für die Figur der Carole hatte ich von Anfang an nur sie vor Augen. Ich mag ihre Klarheit, ihre Unerschrockenheit, ihr Auftreten. Wenn man von vornherein einen bestimmten Darsteller vor Augen hat, dann entwickeln sich die Dinge recht einfach. Wie die Rolle der Delphine zu besetzen wäre, war fürs Erste nicht ganz so klar. Um an der Seite von Cécile de France bestehen zu können, bedurfte es einer starken, keineswegs unscheinbaren Persönlichkeit. Außerdem sollte es eine junge Frau sein, die nicht allzu pariserisch wirkt – schließlich sollte man es ihr ja abnehmen können, dass sie mit einem Traktor bestens vertraut ist. Izïa Higelin verkörperte genau die Merkmale, auf die es ankam: eine etwas raue, wilde Natur. Und sie hat Charakter!


Wie haben Sie die beiden geführt?

Wenn man sich auf den Gedanken versteift, dass ein Darsteller unbedingt dem Bild zu entsprechen hat, das man sich von einer Figur gemacht hat, dann wird man fast zwangsläufig enttäuscht. Anstatt mit den Darstellern Kämpfe auszufechten, um sie auf ein vorgefasstes Bild zu trimmen, erlebe ich sie daher lieber erst einmal so, wie sie wirklich sind, um dann umgekehrt die Figuren den Darstellern anzugleichen. Bei dieser Herangehensweise kann es leicht passieren, dass eine Figur urplötzlich intime Dinge offenbart. Zwischen einem Darsteller und seiner Figur scheint es nämlich zu einer Art chemischen Reaktion zu kommen… Na ja, zumindest steht fest, dass ein Darsteller von seiner Figur gewissermaßen aufgesogen wird und niemals seine Rolle von sich abstreifen kann, als wäre nichts gewesen.

Indem ich mit digitaler Technik drehte – es war das erste Mal! –, hatte ich die Möglichkeit, nicht ganz so eng am Drehbuch haften zu bleiben, sondern auch einige Szenen am Rande zu filmen, die den Film letztlich ungeheuer bereichert haben. Ich konnte mir mehr Freiheiten erlauben, flexibler agieren, manches hinzuerfinden oder auch Szenen, die ich mit meiner Drehbuchkoautorin Laurette Polmanss geschrieben, danach aber eigentlich schon aussortiert hatte, spontan wieder einfügen.


Sie kontrastieren fortwährend das Politische mit dem Privaten. Besonders greifbar wird dies in der Szene, wo Manuel Carole darauf aufmerksam macht, dass sie einerseits für ihre Freiheit kämpft, sich andererseits aber in eine Liebesbeziehung stürzt, die sie erst recht abhängig macht…

Die Figur des Manuel mag ich ganz besonders. Ich fand es reizvoll, zu beobachten, wie er Carole mit ihren eigenen Widersprüchen konfrontiert, indem er ihr sagt, dass wahres Engagement nicht nur im Kreise von ein paar Freundinnen stattfinden sollte, die sich in einem Hörsaal treffen. Man kann ihm da durchaus Recht geben. Er hat Carole gerade deswegen geliebt, weil sie eben so frei war – und daran möchte er sie nun erinnern. Ich wollte Manuel keinesfalls als einen Mistkerl porträtieren, der nur auf seine eigenen Probleme fixiert ist oder von seiner Eifersucht getrieben wird, auch wenn er natürlich verletzt ist. Carole und Manuel sind beide Lehrer und typische Kinder ihrer Zeit, der 68er-Bewegung: Er ist ein wenig wie Mao, und es darf gemutmaßt werden, dass sich beide zusammen an bestimmten Aktionen beteiligt haben. Was das Paar eint, ist die gemeinsame Vorstellung, dass man anders als im gutbürgerlichen Sinne miteinander leben kann. Und wenn es zwischen den beiden zum Bruch kommt, dann jedenfalls ohne Gewalt: Manuel versucht vielmehr, Carole durch Nachdenken zu einem Meinungsumschwung zu bewegen, sie über die Vernunft zu erreichen.


Welchem Ansatz folgten Sie bei der Inszenierung der Landschaft?

Ich habe mich auf Erinnerungen und Eindrücke aus meiner Kindheit besonnen, denn ich bin ja teilweise in der Corrèze, also einem sehr ländlichen Gebiet, aufgewachsen. Ich wollte das quirlige Treiben der Großstadt Paris und die gemächliche Atmosphäre, die auf dem Land herrscht, einander gegenüberstellen. Des Weiteren habe ich mir erneut FARREBIQUE und BIQUEFARRE von Georges Rouquier angesehen, äußerst wertvolle Zeugnisse über das ländliche Leben, in denen sich Dokumentarisches mit Elementen des Spielfilms verbindet. Außerdem habe ich mich mit Bauern unterhalten, die zur damaligen Zeit jung waren. Sie wussten Einiges über die harten Bedingungen zu erzählen, unter denen sie damals lebten und teilweise auch heute noch leben.

Und dann gab es auf dem Land ja auch noch die Figur des Antoine, der von Kévin Azaïs auf sehr sensible und liebenswürdige Art gespielt wird. Antoine ist der arme Kerl, der sitzen gelassen wird. Man empfindet Mitleid mit ihm und denkt sich, dass das zwar irgendwie ungerecht ist, er im Grunde aber keine Chance hat.


Wie erklärt sich die Lust, so viel nackte Haut zu zeigen?

Die Nacktheit zu inszenieren, folgte gewissermaßen der Logik der damaligen Zeit. Plötzlich fand man es normal, sich nackt zu zeigen und Haare unter den Achseln zu haben. Seltsamerweise hat uns die Lust, so viel nackte Haut zu zeigen, aber erst ganz allmählich während der Dreharbeiten überkommen. Anfänglich war ich viel mehr darauf aus, die Schönheit der Landschaft und die Arbeit auf den Feldern zu zeigen. Ich fühlte mich fast wie ein Maler, etwa im Stile eines Manet…

Teils habe ich mich von Cécile de France mitreißen lassen. Mir gefiel das Aussehen, das man ihr verpasst hatte, diese blonde Mähne… Und als wir dann auch noch beschlossen hatten, dass sie keinen BH tragen sollte, da zeichnete sich mit einem Mal in aller Deutlichkeit das Bild einer emanzipierten jungen Pariserin ab, die sich in ihrem Körper wohlfühlt und gerne nackt in ihrer Wohnung rumspaziert. Letztlich war also Cécile schuld an dieser Freizügigkeit, die ich an ihr so schön finde und die so gut zu ihrer Figur, der gegen die Konventionen kämpfenden Carole, passte.

Auch die Szene, in der Carole im Schatten der Kühe ihren Rock öffnet, hat Cécile improvisiert. Ich fand das lustig: Es sah Carole so ähnlich, auf diese Weise einen Hauch von Freiheit in die spröde ländliche Atmosphäre hineinwehen zu lassen. Carole hat keine Probleme mit ihrer Nacktheit, ganz im Gegensatz zu Delphine, die sich gar nicht wohl in ihrem Körper fühlt. Vielleicht liegt das daran, dass sie lesbisch ist, aber nicht wirklich dazu steht.

Für die Szene, wo sich die beiden Protagonistinnen in den Feldern der Liebe hingeben, war im Drehbuch kaum etwas festgelegt: Es ist ein Moment purer Fleischlichkeit, der wegen der Kühe, die gleich daneben zu muhen anfangen, ins Komische kippt.

Meine Koautorin für das Drehbuch hat mich übrigens auch auf den Film LE BONHEUR von Agnès Varda aufmerksam gemacht, der sehr inspirierend ist, wenn es darum geht, mit ebenso unschuldigem wie freizügigem Blick Liebesszenen zu drehen.


Zwischen Carole und Delphine entwickelt sich ja wirklich eine große Liebe…

Man hat mir oft vorgeworfen, wie düster meine Figuren seien. Diesmal aber hatte ich Lust, einen Film zu drehen, wo sich die Figuren durch ihr gutes Wesen, ihr sonniges Gemüt, ihre Großherzigkeit und ihre Offenheit auszeichnen – was natürlich nicht ausschließt, dass es auch Schattenseiten und Konflikte gibt. Diese machen sich aber eher im Inneren der Figuren breit. Man spürt deutlich, dass der größte Feind von Delphine sie selbst ist. Ihre Mutter stellt zwar gewiss auch ein Hindernis dar, aber Delphine wagt es erst gar nicht, ihr entgegenzutreten, wie sie sich im Übrigen auch nicht ihr eigenes Verlangen eingesteht. Gerade durch die Art, wie sich Delphine von der vermeintlichen Allmacht ihrer Mutter einschüchtern lässt, wird die Geschichte noch tragischer.


In der Szene, wo die beiden Mädchen zusammen mit Delphines Mutter beim Picknick zusammensitzen, ließe sich denken, dass letztere für die Argumente und den Freiheitsgeist von Carole durchaus empfänglich sein könnte…

Der Moment, von dem Sie gerade reden, ist einer ganz kleinen Improvisation am Ende einer Szene zu verdanken. Cécile und Noémie Lvovsky, die die Mutter spielt, verleihen ihren Figuren da einen subtilen Zug, der zumindest die Möglichkeit eines wechselseitigen Verständnisses erahnen lässt. Jedenfalls treten sie hier dem Eindruck entgegen, als handle es sich bei der Mutter nur um eine gänzlich unaufgeschlossene Frau.


Andererseits ist auch die Szene, in der die Mutter Carole brutal vor die Tür setzt, durchaus glaubwürdig, da ihr nichts von einer Karikatur anhaftet.

Noémie Lvovsky ist eine wunderbare Schauspielerin, und die große Frage, die sie sich stellte, war gerade die, ob man diese Szene wohl plausibel finden würde. Doch wenn sie in der Rolle der Mutter Carole anschreit, sie sei der Teufel in diesem Haus, dann wird klar, dass es pure Angst ist, was sie so heftig reagieren lässt: Angst vor etwas Unbekanntem, das ihr unvorstellbar und pervers erscheint: die Homosexualität ihrer Tochter.

Um diese Szene spielen zu können, musste Noémie erst einmal das Klischeebild einer griesgrämigen Mutter überwinden. Auch die Darsteller sind ja in einem gewissen Maße Regisseure der Filme, in denen sie mitwirken: Um ihre Figuren glaubhaft zu verkörpern, müssen sie zwangsläufig von sich aus etwas beisteuern.

Ich hatte schon lange Lust, mit Noémie einen Film zu drehen. Sie ausgerechnet als eine Bäuerin in den 70er Jahren zu besetzen, war dann allerdings doch eine gewisse Herausforderung, denn man würde ja eher dazu neigen, ihr Rollen zu geben, die ihr ähnlicher sehen.


Der Film wirkt sehr heiter und optimistisch, wo es um die Darstellung der damaligen Zeit geht. Wenn jedoch das Innenleben der Figuren in den Vordergrund rückt, trübt sich das Bild ein wenig ein, was im Übrigen auch mit einer düstereren Musik einhergeht…

Zum einen hört man Stücke von damals – etwa von Janis Joplin, Colette Magny oder Joe Dassin –, zum anderen eine dezidiert modernere Musik, so von The Rapture, einer Band unserer heutigen Zeit: Deren Klänge bringen den Geist der Modernität zum Ausdruck, den Carole in die ländliche Umgebung hineinplatzen lässt.

Und dann gibt es auch noch den Originalsoundtrack von Grégoire Hetzel, der für die lyrischen Momente sorgt und das Gefühlsleben von Delphine und Carole untermalt, speziell die Art, wie sie sich manchmal als Gefangene ihrer selbst empfinden.

Was die Arbeit mit Grégoire betrifft, so war diese durch ein langsames Herantasten geprägt. Er war recht früh an dem Projekt beteiligt: Bald schon hatten wir uns auf ein Thema geeinigt, das eine sogartige Wirkung entfalten sollte. Wir haben uns viel Filmmusik und auch viel Grieg angehört. Es war das dritte Mal, dass er für mich gearbeitet hat. Er ist sehr einfühlsam, weiß genau, worauf es ankommt, und er hat eine wunderbare lyrische Ader.


Wie ist das Ende des Films zu erklären?

Hinter der Verweigerung eines Happy Ends – oder zumindest eines allzu positiven Ausgangs – steckt der Gedanke, dass die feministischen Emanzipationskämpfe und der Weg der Frauen zu sich selbst einen langen Prozess darstellen. Hätte Delphine es geschafft, mir nichts, dir nichts den elterlichen Hof zu verlassen, dann hätte man ja meinen können, dass das kein Thema sei, um eine große Geschichte draus zu machen! Selbst am Ende des Films spürt man jedoch, dass Delphine immer noch mit sich zu kämpfen hat. Ganz allgemein gefallen mir aber Liebesgeschichten, in denen die Liebenden sich verpassen, weil der Moment einfach nicht der richtige ist. Das liegt wohl an meiner melodramatischen Seite, aber so ist es nun einmal im Leben.


Ist es denn heute immer noch aktuell, über die Frauenbewegung zu reden?

Heute mehr denn je, wenn ich mir das Schicksal der Frauen auf dieser Welt so anschaue! Die Frauen müssen sich mobilisieren, denn in autoritären Staaten sind sie immer noch die ersten Opfer. Immer noch werden sie unterdrückt. Und dass letztes Jahr in Spanien dann auch noch das Recht auf Abtreibung wieder in Frage gestellt wurde… Meines Erachtens müssen die Revolutionen und die Veränderungen von morgen durch Frauen in die Wege geleitet werden.

In der Zeit, in der der Film spielt, forderten die Frauen Gleichheit: gleiche Löhne wie die Männer und dass die Frau nicht zu einem Objekt für die Werbung degradiert werden dürfe. Heute aber geht es immer noch um dieselben Dinge. Trotz gewisser Fortschritte hat sich die Mentalität der Leute nämlich nicht in ausreichendem Maß weiterentwickelt. Wir befinden uns in einer Phase eines fürchterlichen Rückschritts, und da ist es von vitaler Bedeutung, sich dessen bewusst zu werden und zu handeln. Wann immer ich in irgendeiner Versammlung auftrete, versuche ich zunehmend darauf zu achten, dass man den Frauen auch zuhört. Ich verstehe nicht, warum man immer noch so viel Angst vor den Frauen hat, warum man sie am Denken hindert und warum sie nicht die gleichen Rechte haben. Warum?


Und im Bereich Homosexualität, gibt es da mehr Fortschritte?

Ich glaube, die Leute verstecken sich zwar nicht mehr so sehr wie früher, für viele ist es aber immer noch eine leidvolle Erfahrung, zu ihrer Homosexualität zu stehen und sie auszuleben. Bei den grauenhaften Demonstrationen, die letztes Jahr "gegen die Ehe für alle" stattfanden, zeigte sich, wie zerrissen viele Familien sind: Da marschierten doch glatt Leute mit, obwohl sie über die Homosexualität ihrer Kinder Bescheid wussten!

Es gab einen Film, der mich besonders in meiner Lust bestärkt hat, den meinigen zu drehen, nämlich LES INVISIBLES von Sébastien Lifschitz, eine Dokumentation über die Erfahrungen homosexueller Menschen, deren Aussagen mir exemplarisch zu sein schienen. Man spürte da die innere Zerrissenheit mancher Frauen, so etwa von einer verheirateten Frau, die erst Kinder bekommen hat und sehr spät ihre Homosexualität entdeckte. Solche Wendungen im Leben sind verblüffend, sie faszinieren mich. Und die Gefühle, die ich dabei empfinde, wollte ich durch einen Spielfilm zum Ausdruck bringen.


Das war nun ihre erste Zusammenarbeit mit der Produzentin Elisabeth Perez, mit der Sie ja auch befreundet sind.

Meine drei vorigen Filme hatte ich mit der Produzentin Fabienne Vonier gedreht, die leider vor zwei Jahren verstorben ist. Fabienne hatte mich immer sehr aufmerksam behandelt, wir schätzten uns sehr. Daher war es schwierig, eine Nachfolgerin für sie zu finden.

Elisabeth Perez ist sehr intuitiv. Bei ihr verbindet sich ein hoher Anspruch mit einem großen Wohlwollen. Unsere Zusammenarbeit war von gegenseitigem Respekt geprägt und erwies sich als extrem fruchtbar und angenehm. Ich hatte den Eindruck, mit ihr in sämtlichen Etappen auf sehr vertrauensvolle Art zusammenzuwirken.

LA BELLE SAISON war für mich fast so etwas wie ein Neuanfang, und das habe ich dem gesamten Team auch klarzumachen versucht. Zu Beginn der Dreharbeiten teilte ich allen Beteiligten in einer kleinen Notiz mit, dass dieser Film sehr wichtig für mich sei, zum einen, weil es sich um die erste Zusammenarbeit mit Elisabeth Perez handelte, und zum anderen, weil ich mich nun zum ersten Mal so frontal mit dem Thema Homosexualität befasste. Ich verspürte zwar schon seit längerem den Wunsch, eben diese Geschichte zu erzählen, erst Elisabeth war es jedoch, die mich dazu drängte, das Sujet weiter auszuarbeiten. Sie hat mir den nötigen Mut dazu verliehen und mich an das Projekt herangeführt. Folglich habe ich diesen Film ganz und gar ihr zu verdanken.

CAST UND CREW

  
BESETZUNG
CaroleCécile de France
DelphineIzïa Higelin
MoniqueNoémie Lvovsky
AntoineKévin Azaïs
AdelineLaetitia Dosch
ManuelBenjamin Bellecour
FabienneSarah Suco
Marie-LaureNathalie Beder
CharlotteCalypso Valois
MauriceJean-Henri Compère
Professor ChambardBruno Podalydè
  
STAB
RegieCatherine Corsini
DrehbuchCatherine Corsini,
Laurette Polmanss
ProduzentinElisabeth Perez
KameraJeanne Lapoirie
SchnittFrédéric Baillehaiche
MusikGrégoire Hetzel
TonOlivier Mauvezin,
Benoît Hillebrant,
Thomas Gauder
AusstattungAnna Falguères (ADC)
KostümJürgen Dœring
  

PREVIEWS



Stadt Kino Veranstaltung Datum
StuttgartAtelier
am Bollwerk
Jour fixe du
Cinéma Français
06.04.
19.30 Uhr
FrankfurtMal Seh‘nL-Filmnacht06.04.
22.00 Uhr
DessauKiez KinoFranzösische Filmwoche
Sachsen-Anhalt
07.04.
20.30 Uhr
HalleLuchs KinoFranzösische Filmwoche
Sachsen-Anhalt
07.04.
21.00 Uhr
MagdeburgMoritzhofFranzösische Filmwoche
Sachsen-Anhalt
09.04.
20.30 Uhr
MünchenAtelierQueer Night
Stand
09.04.
18.00 Uhr
HalleLuchs KinoFranzösische Filmwoche
Sachsen-Anhalt
10.04.
16.30 Uhr
DessauKiez KinoFranzösische Filmwoche
Sachsen-Anhalt
11.04.
17.30 Uhr
MagdeburgMoritzhofFranzösische Filmwoche
Sachsen-Anhalt
12.04.
17.30 Uhr
KölnCinenovaOmU Preview
(dt.frz. G.)
17.04.
tba
HannoverApolloL-Filmnacht18.04.
20.15 Uhr
MannheimCinemaxXL-Filmnacht21.04.
20.00 Uhr
DortmundKino im UInternationales
Frauenfilmfestival
21.04.
20.00 Uhr
KölnCinenovaPreview23.04.
tba
OstseeL-Filmbeach
Festival
23.04.
19.00 Uhr
KölnOdeon KinoInternationales
Frauenfilmfestival
24.04.
13.30 Uhr
FreiburgKandelhof KinoL-Filmnacht24.04.
21.00 Uhr
DresdenKino im DachL-Filmnacht25.04.
20.15 Uhr
HamburgMetropolisL-Filmnacht25.04.
21.15 Uhr
KielDie PumpeL-Filmnacht25.04.
19.00 Uhr
MagdeburgStudio KinoL-Filmnacht25.04.
21.00 Uhr
MünsterCinemaL-Filmnacht25.04.
21.00 Uhr
NürnbergCasablancaL-Filmnacht25.04.
21.00 Uhr
OldenburgCine KL-Filmnacht25.04.
20.15 Uhr
HalleZazie KinoL-Filmnacht26.04.
21.00 Uhr
PotsdamThalia
Filmtheater
L-Filmnacht27.04.
19.00 Uhr
AugsburgLiliomL-Filmnacht27.04.
19.00 Uhr
HanauVerein
Bürgertreff
L-Filmnacht27.04.
19.00 Uhr
KarlsruheSchauburgL-Filmnacht27.04.
21.00 Uhr
LeipzigPassage KinoPreview27.04.
tba
RegensburgWintergartenL-Filmnacht28.04.
21.00 Uhr
AachenApolloL-Filmnacht29.04.
22.15 Uhr
BerlinCinemaxX am
Potsdamer Platz
L-Filmnacht29.04.
20.00 Uhr
RegensburgWintergartenL-Filmnacht28.04.
21.00 Uhr
MünchenCinemaxX am
Isartor
L-Filmnacht29.04.
21.00 Uhr
StuttgartCinemaxX an
der Liederhalle
L-Filmnacht29.04.
21.00 Uhr
    

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